AD(H)S – haben oder nicht haben …..

….. das ist hier die Frage!

Modekrankheit oder doch ernst zu nehmende Erkrankung und seelische Behinderung? Oder sind nicht doch alle Kinder heute nur hochgepuschte Zappelphillip’s vorangegangener Generationen?

Seit ein paar Woche beschäftige ich mich immer intensiver mit diesem Thema, versuche mich damit auseinander zu setzen. Nein, um ehrlich zu sein schon seit Jahren, denn seit dem mein Großer 2!!! ist kommen von überall Stimme, das der Junge nicht „normal“ ist. Dann hat er bei den einen ADS, bei anderen wieder ADHS und so zieht sich das jetzt schon 3 Jahre. Immer wieder, wenn ich drauf angesprochen wurde, habe ich mir Gedanken gemacht „Hab ich was falsch gemacht?“ denn auch in meinem Kopf herrschte noch das Vorurteil, AD(H)S Kinder sind schlecht erzogenen Kinder. Und nach dem Zweifel kam dann die „Einsicht“, verdammt, mein Kind ist normal, er ist ein intelligenter Junge der neugierig durch die Welt geht, der manchmal etwas tollpatschig ist, weil er schneller handelt als er denkt, aber Hallo er ist ja auch noch ein Kind. Dann hatten wir tatsächlich eine Phase, ganz am Anfang im Kindergarten wo er aggresiv reagiert und zwar immer dann, wenn er nicht mehr weiter wußte mit Worten z.B wenn er mal alleine oder nur mit 1 Freund spielen wollte. Das legte sich aber recht schnell wieder, nachdem er sich eingewöhnt, die Erzieherinnen akzeptiert  hatte und sie ihm unter die Arme griffen und er gelernt hatte sich eben mit Worten aus zu drücken. Dann war es eine Zeit lang ruhig bis der Delfin-Test kam (für die nicht NRW’ler hier), der fiel bei Thijs katastophal aus so das alle direkt wieder aufschrien, das Kind hat ein Hochmaß an Förderbedarf, denn zur Logopädie kam auf einmal auch Ergotherapie und Heilpädagogik.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich dann über Facebook zum Glück aber schon Mella kennengelernt und viel auf ihrem Blog gelesen und mich auch privat unterhalten und ihr öfter über mein Dilemma berichtet. Und sie wußte mich immer zu beruhigen und sah in meinem Sohn auch immer nur ein normales Kind, was an manchen Stellen Schwächen und an anderen wieder Stärken hat.

Was dann kam, war ihr Buch ADHS – aus Sicht einer betroffenen Familie  und für mich stand fest, das MUSST du lesen. Durch ihren Blog bekam man ja nun schon ab und an Einblick wie das Familienleben so mit einem „kranken“ und einem „normalen“ Kind ist, aber hier war alles gebündelt. Ein Einblick den man sonst so nicht erhalten würde.

Der Klappentext spricht eigentlich schon für sich:

„Zu ADHS gibt es viele Bücher. Und noch viel mehr Experten, oder die, die sich dafür halten. Dieses Buch ist anders und mitten aus dem Leben.
Persönlich und unverfälscht beschreibt es das Thema aus der Sicht einer Mutter, die sich im Interesse ihres Kindes intensiv mit ADHS auseinander gesetzt hat.
Das ermöglicht den direkten Einblick in den Alltag einer ganz normalen Familie mit 2 Kindern. Eines davon mit ADHS.
Sind ADHS-Kinder wirklich nur frech, laut und unerzogen? Oder steckt viel mehr dahinter?

„ADHS aus Sicht einer betroffenen Familie“ richtet sich nicht nur an Eltern, sondern besonders an alle Personen aus dem Umfeld der Familie, seien es Tante, Onkel, Oma, Opa oder Nachbar. Jeder, der seine Vorurteile überdenken möchte und klare Einsichten wünscht, wird in diesem Buch fündig.“

Im Buch weiter heißt es:

„Melanie Hirschmann ist die Mutter eines Kindes, welches ADHS hat. Es fiel ihr anfänglich nicht leicht, die Krankheit so zu akzeptieren und verstand auch die unterschiedlichen Behandlungen durch die Umwelt nicht, die ihren beiden Kindern widerfuhren. Daher hat sie sich intensiv mit ADHS beschäftigt und möchte einen Einblick geben“

Und genau so ist das auch, persönlich, unverfälscht und herzlich. Auch wenn ich mir ein paar mehr Anekdoten aus dem Alltag gewünscht hätte, konnte man von einer ganzen starken Frau, einer ganz tollen Familie, einem liebevollen Familienzusammenhalt und wunderbaren Kindern lesen.

Aber auch wie sich diese seelische Behinderung, denn das ist sie wirklich und nicht nur eine erfundene Modekrankheit, bemerkbar macht. Das er wie bei jeder Erkrankung verschiedene Grade gibt. Das ADHS meist weiter Begleit“krankheiten“ mit sich bringt. Und bei den Anzeichen, da bin ich ehrlich, habe ich meinen Sohn verglichen und ja ich habe auch ein paar gefunden, bei vielen aber auch den Kopf geschüttelt weil sie nicht zutreffen. Es gibt aber nicht nur negatives, denn wo schwarz ist ist auch weiß und es gibt so viel positves und auch dort habe ich verglichen und meine beiden Söhne mehr als einmal wieder gefunden.

Trotz das ich selber „betroffen“ bin, wurde ich durch diese Buch aus meinem eigenen persönlichen Schubladendenken raus geholt und ich wünsche mir, für jede Familie die mit dieser Erkrankung zu kämpfen hat, das viel mehr Menschen rund um die Familie und das Kind sich dieses Buch ein mal vornehmen, lesen und auch verstehen! Und vorallem auch Erzieher/innen und Lehrer/innen, also all die jenigen die die Kinder durch die wichtigsten Phasen in ihrem Leben begleiten.

Ansich ist das was Melanie geschrieben hat kein Ratgeber im eigentlichen Sinne, dennoch verweißt sie her und da an Stellen die sich mit dieser Krankheit auskennen und nicht nur einen von vielen (Nicht)Experten Büchern gelesen hat und somit eindeutig besser weiter helfen können.

Die Erklärung wie sie ihren Alltag managt ist für mich (und da spreche ich jetzt nur für mich) auch ein kleiner Ratgeber, in einigen Sachen habe ich mich total wieder gefunden und andere Sachen habe ich, teilweise wieder, in unseren eigenen Alltag mit aufgenommen. So bin ich ein sehr strukturierter Mensch und Thijs spiegelt mich da zu 100% wieder, haben wir beide keinen durch geplanten Tag, so geraten wir beide direkt aus der Umlaufband und stehen neben der Spur. Ist das schlimm? Keines Wegs, es wird nur etwas problematisch wenn man dann noch 2 weitere Personen im Haushalt hat, denen das total egal ist ob z.B die Woche immer gleich anfängt und auch aufhört, aber wir sind ja auch noch eine junge Familie und finden uns immer besser damit zurecht.

Es wird auch angesprochen, das ADHS-Kinder klare Ansagen brauchen und Eltern brauchen die berechenbar und zuverlässig sind, ihr Wort halten, egal ob zur Belohnung oder bei Strafandrohung. Aber hey, sind wir mal ehrlich das würde JEDEM Kind gut tun, nur eben ist es bei ADHS’ler (ich mag dieses Wort eigentlich nicht) noch viel viel wichtiger.

Ein weiteres Beispiel aus dem Buch möchte ich noch aufführen, denn hier wird auch ein Punktesystem erwähnt was ich für sehr sinnvoll erachte, weil es zum einen bei uns ihn ähnlicher Weise auch gehandhabt wird und zum anderen auch wieder JEDEM Kind gut tun würde. Es geht darum ungewünschtes Verhalten nicht direkt zu bestrafen, sondern eine Konsequenze daraus zu ziehen und eher positives Verhalten zu belohnen. Und es funktioniert, besser als den ganzen Tag schimpfend durch die Gegend zu laufen, denn jeder reagiert doch eher und besser auf Lob als auf Strafe. So bekommt Thijs aktuelle für jeden Tag, der toll verläuft einen Aufkleber. Abends wird der Tag reflektiert und auch erklärt warum er jetzt einen Aufkleber bekommt oder eben auch nicht. Das hat sehr viel Ruhe in den Tag gebracht. Ein Aufkleber fehlt uns noch zur Halbzeit und darauf freut er sich schon, denn dann gibts schon eine Kleinigkeit, ansonsten würde das warten für einen 5jährigen zu lang.

Hier ist nun ist aber Schluss, denn wenn euch das Thema wirklich interesiert dann lest bitte dieses Buch. Ich habe viel aus dem Buch erfahren und viel gelernt, habe umgedacht und einiges übernommen.

Mein Sohn hat seinen Stempel nun weg und ich gehe diesen Weg mit ihm und werde mit und für ihn kämpfen. Da wir Ergo und Logo schon bestreiten ist unser nächster Schritt ein Test im Sozialpädiatrischen Zetrum, um entweder alles zu widerlegen oder eben noch besser drauf eingehen zu können. Wir werden sehen.
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6 Kommentare zu “AD(H)S – haben oder nicht haben …..

  1. Hallo Jenny,

    Ein sehr guter und länger bericht. Ich hab das Buch auch gelesen.

    und du hast recht, sehr viele Sachen eignen sich und wäre angebracht bei jedem Kind. Ich glaub, es ist wichtig, dass man sich für seine Kinder zeit nimmt. Ich finde, das passiert zu wenig.

    Ich kenne euch beide noch nicht persönlich, aber ich finde ihr macht das toll (soweit ich das beurteilen kann). Ich freue mich sehr euch kennengelernt zu haben.

    DU SCHAFFST DAS!!! ❤

    Lg Mel

  2. Hallo Jenny,
    ich habe das Buch auch gelesen und habe im persönlichen Bekanntenkreis niemanden, der betroffen ist. Trotzdem war es für mich sehr interessant und ich habe ganz andere Einblicke erhalten, als das, was man sonst so im Halbwissen erzählt bekommt. Es ist natürlich etwas anderes, wenn man selbst konfrontiert ist und handeln muss, aber mir hat das Buch deutlich gezeigt, wie wichtig die Familie hinter dem Kind ist. Ich würde es als Ratgeber für Familien absolut weiterempfehlen.

    Liebe Grüße
    Sandra

  3. Hallo Jenny,
    ich gehöre zu der Zielgruppe, denn der Sohn meiner Schwester, also mein Neffe hat schwer ADHS und ich habe das Buch als unheimliche Erleichterung empfunden. Habe ich mir davor auch schön Mühe gegeben ihn zu verstehen und immer mit demn Gedanken im Hinterkopf zu reagieren, dass er ADHS hat, so hat mir die „Geschichte“ von Melanie geholfen wirklich nachzuvollziehen warum er nun dieses und jenes macht oder eben nicht macht. Was ADHS-Kinder anscheinend haben, ist das sie über eine immens große Portion Charme verfügen und sind sie auch oft mehr als schwierig, so reicht ein wenig von diesem Charme und ich schmelze dahin. Was Du geschrieben hast, wünsche ich mir auch, nämlich das viele Menschen, die sich mit ADHS auseinandersetzen müssen, dieses Buch lesen: Angehörige, Freunde aber auch gerade Lehrer, denn diese begleiten die Kinder auf einem wichtigen Weg ihres Lebens und mein Neffe hatte es mehr als einmal schwer, weil er an Lehrer geraten ist, die sich diesem Krankheitsbild verschließen oder was ist es für ein Verhalten, wenn ein Lehrer einem Kind vor allen Mitschülern auf dem Schulflur mit den Fingern eine Maßeinheit zeigt und dazu hämisch sagt: „Soviel fehlt nur noch und du fliegst von der Schule“? Mensch, nun komme ich vom Thema ab. Eigentlich wollte ich Dir nur sagen, dass Deine Rezension ganz wunderbar ist und den Nagel auf den Kopf trifft. Ich hoffe das Melanies Buch ganz viele Menschen erreicht und ihnen hilft.
    Alles Liebe von Peggy

  4. Pingback: Leserstimmen zu ADHS aus Sicht einer betroffenen Familie › Kopfstand.net

  5. Hallo,
    vielen Dank für diese schöne Beschreibung des Buches. In vielen Bereichen Deines Textes stimme ich Dir voll und ganz zu.

    Für mich war das Buch von Mella sehr leichte Kost und viele Ratschläge gehören zu einer normalen Erziehung hinzu – sollten es zumindest. Dabei ist es unerheblich ob ADHS im Spiel ist oder nicht.

    Erziehung ist vielschichtig und muss durchgeführt und nicht abgeschoben werden.

    Mit vielen örtlichen Tipps aus ihrem Buch kann ich wenig anfangen, da diese nicht auf ganz Deutschland ausgeweitet wurden. Was schade ist.

    Dennoch kann ich das Buch weiterenpfehlen. 🙂
    Aber lese selbst, was ich zu ihrem Buch schrieb.

    http://www.netzblogger.net/adhs-melanie-hirschmann/4008/

    LG Timm

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