Advent, Advent …. das 4. Lichtlein brennt

Oh weh, nur noch 2 Tage dann steht Weihnachten vor der Tür.

Für mich einen Zeit in der ich viel in mich gehe, viel nachdenke und auch viel in der Vergangenheit hänge. Und ein bisschen lass ich euch da jetzt dran teil haben, denn ich erzähle euch mal was in meiner Kindheit so Tradition zu Weihnachten war, wie es wurde als ich erwachsen war und wie wir es heute mit unseren Monstern begehen.

 

Weihnachten irgendwann in den schönen 80er:

Eine kurze Einführung vielleicht zum besseren Verständniss. Damals haben meine Mama und ich im Dachgeschoss, in einem quasi Mehrgenerationenhaus, meiner Großeltern gewohnt. Oma und Opa in der Mitte und mein Onkel unten im Erdgeschoss (Irgendwann ist mein Onkel mit seiner Frau und meinem Cousin in die Mitte gezogen und Oma und Opa nach unten)

Vorweihnachtszeit:

Plätzchenduft hängt in der Luft. Oma hat mal wieder Unmengen an Plätzchen gebacken, so das sie die halbe Nachbarschaft damit versorgen könnte. Ich habe natürlich fleißig mit geholfen. Spritzgebäck noch ganz „altmodisch“ mit dem Fleischwolf gemacht und ich kurbel und kurbel. Dann die weichen Weihnachtsplätzen, austechen, Teig naschen nicht vergessen. Zwischen den fertigen Plätzchen kommt Marmelade oder Nuss-Nougat-Creme (Nutella war damals bei uns noch nicht so das Thema) und oben drauf ganz viel Puderzucker.

Heilig Abend:

Unseren Baum besorgt wie immer Opa, denn er verkauft sie ja schließlich auch (gut, das weiß ich erst seit ich größer bin, aber es war eben so). Wann er aufgestellt wird? Na am 24. ohne das ich das mit bekomme. Die Tür zum Wohnzimmer ist abgeschlossen, durch Schlüsselloch spingsen bringt nichts. Bleibt mir also nur die Küche und den Rest vom Haus unsicher zu machen, meinen Onkel nerven und Mama fast in den Wahnsinn treiben mit meiner Ungeduld. Ich trage meine besten Sonntagsklamotten, meist ein Cordkleid mit Blüschen und Strumpfhose. (Das wird sich mit den Jahren ändern). Es wird immer später und draußen wird es dunkel. Was ist da nur im Wohnzimmer los und warum darf ich da nicht rein? Plötzlich Stille! Keiner wuselt mehr durchs Haus, Mama hat mich eingefangen, Oma und Opa stehen mit meinem Onkel in der Küche. Was war das? Ein Glöckchen klingelt. Wo kam das her? Das Wohnzimmer ist auf? Aber wie? Alle sind doch da? Ich trau mich rein und da steht er, der geschmückte Weihnachtsbaum, noch mit echten Kerzen und Stanoliumlametter. Er ist wunderschön. Im Hintergrund läuft leise deutsche Weihnachtsmusik, von Kinderchören gesungen. Darunter liegen Geschenke und meine Mama ruft „Guck mal Schatz, da ist gerade das Christkind noch vorbei geflogen“ aber bis ich natürlich am Fenster bin um es zu sehen ist es schon weg. Also ran an die Geschenke, nicht wie heute, nicht gestürmt, nichts wild aufgerissen, sondern alles mit Ruhe und bedacht. Meine Augen strahlen. Danach gibt es Abendessen, immer etwas aufwendiges, Gans, Sauerbraten und co. Natürlich ist mein Sonntags-Ausgeh-Outfit nicht mehr sauber 😀 Und danach, sitzen wir alle auf dem riesen Sofa, die Erwachsenen trinken gemütlich was, ich spiele mit meinen Geschenken.

Ich kann mich auch noch an ein Weihnachten erinnern an dem ich mit der Blockflöte Weihnachtslieder spielen musste, total krumm und schief und zum Glück auch nur ein einziges mal. Alle Beteiligten fanden das wohl besser für ihre Ohren 😀

Vorweihnachtszeit und Heilig Abend Anfang der 90er:

Ich weiß jetzt das es kein Christkind mehr gibt aber manche Traditionen werden trotzdem aufrecht erhalten. Oma und Opa wohnen jetzt unten. Gebacken wird immer noch als müßte man eine ganze Heilsarme damit satt kriegen. Den Weihnachtsbaum darf ich jetzt mit aussuchen, denn ich darf auch einen Tag mit Opa Bäume verkaufen und jetzt darf ich auch mithelfen zu schmücken. Aber die echten Kerzen sind geblieben genauso wie das Stenoliumlamette (kurz drauf wurde es übrigens vom Markt genommen). Die Geschenke wandern immer noch wie von Geisterhand unter den Baum, auch wenn ich inzwischen weiß das sie von der ganzen Familie kommen. Ich freu mich trotzdem das sie es immer wieder schaffen sie heimlisch an mir vorbei dahin zu schmuggeln. Das Essen fällt jetzt anders aus, jetzt gibt es Fondeu, bin ja jetzt alt genug um mich an dem Fett nicht mehr zu verbrennen. Lange sitzen wir alle zusammen, essen, trinken, lachen, erzählen, spielen Rommè und andere Gemeinschaftsspiele. Ich immer im Team mit Opa, damit ich auch ja gewinne.

Ach ja, die Klamotten, wir tragen ganz gemütlich Joggingbuckse, sind ja unter uns 😉

Paul gehört jetzt zu mir und Mama und er ist wie ein Papa für mich. Das heißt aber auch das ich nun nochmal Oma und Opa habe, die Weihnachten auch was von uns haben wollen. Also fahren wir am 1. Feiertag zu ihnen, alles ganz gemütlich. Leckeres Essen, Geschenke die nicht nötig gewesen wären und auch einfach nett beisammen sitzen.

 

Weinachten Ende der 90er:

Ich bin fast erwachsen. Opa lebt nicht mehr. Wegen Erbstreitigkeiten ist die Familie zerstritten. Paul gibt es in unserem Leben auch nicht mehr. Dafür andere Männer, die denken das ich mein eigens Leben leben sollte. Aber es ist Weihnachten, mir und meiner Mama als kleine Familie immer sehr wichtig. Also ziehen wir unser eigenes Ding durch. Selber Baum kaufen, gemeinsam schmücken, Geschenke werden persönlich übergeben und nach der Bescherrung gehen Mama und ich auf die Piste. Alles vielleicht nicht mehr ganz so familiär aber Mama und ich sind zusammen, das ist das was zählt. Oma wird zu den Feiertagenn einfach zu uns geholt.

 

Weihnachten Anfang 2000:

Nun bin ich erwachsen. Und die Familie. Zertreut, zerstritten. Und Mama, tja die lebt nicht mehr. Ich bin alleine. Ich habe einen Minibaum, so ganz ohne kann ich dann doch nicht, ohne Geschenke schon. Zum Glück gibt es „Freunde“ denen Weihnachten mit der Familie nichts bedeuten und so gehen wir eben Party machen. An den Feiertagen fahre ich zu meinem Onkel und Oma, aber es ist eben alles nicht mehr wie früher 😦

So geht das dann bis ich Thorsten kennen lerne. Und wir feiern unser erstes Weihnachten zusammen. Ein Jahr drauf fahren wir über die Feiertage zu seinem Vater nach Braunschweig, bis zu Silvester. Irgendwie fehlt die Zeit sich eigene Traditionen zu suchen, denn wir sind ja eh nicht zu Hause. Es ist zwar Familie da aber gut fühlt sich das nicht an.

2008, das erste Weihnachten für und mit Thijs:

Plätzchen backen, Baum schmücken, Geschenke für den Zwerg besorgen. Der 24. gehört noch uns als kleine, frische Familie. Danach geht es ins Allgäu zu Schwiegermutter, auch wieder bis ins neue Jahr rein. Und schon wieder können wir keine eigene Tradition aufbauen. Das selbe die Jahre 2009 und 2010 (Jarne ist nun auch da, aber mit 2 Monaten noch viel zu winzig um überhaupt was mit zu bekommen). Geändert hat sich nur das wir nun am 24. bei dem Cousin meines GöGa und Pate von Thijs, sind zum Essen und danach gehts wieder ab ins Allgäu. Meine Familie Fehlanzeige, ok da ist „nur noch“ mein Onkel,mit Frau und meinem Cousin, der aber immerhin auch Pate von Thijs ist. Die Zeit fehlt. Ich merke das sie irgendwie traurig sind. Ich weiß nicht wie ich das alles unter einen Hut bringen soll. Ich wil keinen vor den Kopf stoßen, will das alle glücklich sind und es allen Recht machen. Immerhin hat Thorsten seine Mutter nach 16 jahren wieder, das will ich ihm nicht nehmen, vielleicht weil mir meine Mama immer das wichtigste war. Einen Schwiegervater hab ich ja eigentlich auch noch. Das schaff ich nicht, also bin ich innerlich immer hin und her gerissen und kann die ganze Weihnachtszeit einfach nicht genießen.

Manchmal wünschte ich mir, es wäre alles wie früher, bei Oma und Opa, nur das die Familie jetzt noch ein bisschen gewachsen ist.

Mitte 2011:

Ja, ich weiß, bis Weihnachten ist noch genug Zeit. Ich hab aber keine Lust mehr mich so zerreißen zu lassen und beschließe das es Zeit wird das nur wir 4 anfangen unsere eigenen Weihnachtstradition auf zu bauen. Wir bleiben zu Hause!!! Ein Baum hat sich ja irgendwie vorher für uns nicht gelohnt, hab ihn ja eh nur einen Tag und dann erst im neuen Jahr wieder gesehen. Schwiegermutter ist alles andere als begeistern aber ausnahmsweise bin ich egoistisch und es ist mir egal. Ich will endlich wieder schöne Weihnachten.

Endlich rückt die Weihnachtszeit näher. Inzwischen wohnen wir in „unserem“ Haus (nicht gekauft, gemietet). Ich backe auch wie ein Weltmeister und wo der Große helfen kann, tut er das auch. GöGa und der Große besorgen den Baum, eben Männersache. Die ersten Tage steht er hier nur mit Lichterkette. Am 4. Advent wird er dann zusammen geschmückt. 24. Dezember, das letzte Türchen am Adventskalender ist geöffnet, aber unsere Kinder müssen noch eine Nacht schlafen, denn jetzt kommt der Weihnachtsmann und das Christkind (von der Oma der Jungs) und die Geschenke gibt es am 25. also am 1. Feiertag morgens.

Jetzt nicht schreien „muss man den Amis alles nach machen?“. Denn darum ging es uns nicht. Wir haben uns einfach Gedanken gemacht wann es für die Kinder am schönsten und für uns Eltern am angenehmsten und Nervenschonensten ist. Am Heiligen Abend die Geschenke, ja so war es bei uns früher, danach dann Essen und schon gehts ins Bett. Aber krieg mal Kinder mit neuem Spielzeug ohne Motzen und Meckern ins Bett. Unmöglich. Also am 25. morgen. Die Jungs sind ausgeschlafen, kommen runter und sehen auf einmal alle Geschenke unter dem vorher leeren Baum. Haben Zeit und Ruhe die Geschenke aus zu packen und zu testen und damit zu spielen. Danach gibt es gemütlich Frühstück und wie ihr euch denken könnt, essen die Jungs nur das nötigste und stürmen direkt wieder zu ihren neuen Spielsachen. Es sei ihnen gegönnt 😀

Zu Essen gibt es natürlich auch was bei uns. Am 24. was ganz einfaches, manchmal Kartoffelsalat mit Würstchen und am 25. wird dann fein gegessen, Sauerbraten und co.

Und so ist es jetzt und so beleibt es auch. Alle 3 Tage gehören uns. Ich würde ja auch ins Allgäu fahren, aber für einen Tag lohnen sich die Kilometer einfach nicht. Und mein Teil der Familie, nun, die fahren meist kurz drauf in Urlaub, aber es ist alles gut so wie es jetzt ist, mir geht es gut damit.

Bild

(Unser Baum 2011)

Weihnachten heute, jetzt, also 2013:

Ansich ist alles beim Alten geblieben. Es hat sich nur eine klitze kleine Kleinigkeit geändert, auf Wunsch unseres Großen. Baum kaufen ist jetzt nicht mehr Männersache sondern Familiensache, ohne mich ging also nix. :-*

Leider muss Thorsten am 26. schon wieder arbeiten, so ist das nun mal im Güterverkehr auf Schienen. Dafür kommt ganz überrachend am 27. mein Onkel mit Frau, meinem Cousin und vielleicht auch seine Freundin zu uns zu Besuch. Ich freu mich so!

 

Für mich und meine kleine Familie kann Weihnachten kommen. Wir haben jetzt unsere Tradition, ist es zwar nicht wie früher, was ist aber schon wie früher, die Zeiten ändern sich eben.Das ist jetzt unser Ding und damit geht es mir wirklich richtig gut.

 

In diesem Sinne, wünsche ich euch frohe Weihnachten, besinnliche Feiertage im Kreise derer die euch wichtig sind. Den Mut was zu ändern, wenn es euch aktuelle so geht wie mir vor ein paar Jahren. Und kommt mir alle gut ins neue Jahr!!!

 

 

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2 Kommentare zu “Advent, Advent …. das 4. Lichtlein brennt

  1. Liebes… das klingt schön. Mein Vater brachte auch dieses Weihnachten das Thema, ob sie (meine Eltern) zu egoistisch gewesen wären, als sie durchsetzten, IHR Weihnachten mit uns zu feiern, und erst danach das mit dem Rest der Familie. Es war richtig. die eigene klene Familie geht vor, finde ich, und ich kann mich nur an glückliche Kinder-Weihnachten erinnern.
    Fröhliche Weihnachten… und eine herzliche Umarmung aus Berlin
    Claudia

  2. Jenny, das hat mich jetzt echt berührt. Ich wusste nicht, dass du keine Mama mehr hast und das tut mir wirklich weh. Umso wichtiger ist es eigene Traditionen zu finden, Gerade wenn man eine kleine Familie hat, wie ihr. Wir haben ja nun keine Kinder, aber wir haben unsere Tradition, dass wir vor dem Familientreffen am Heilgenabend noch einmal Bescherung für uns ganz alleine machen, mit Weihnachtsmusik und Kerzen unterm Weihnachtsbaum. Wenn das nicht ist, ist nicht richtig Weihnachten für uns. Danach reiht sich eigentlich nur noch ein Familientreffen an das andere, was mal schön ist und mal anstrengend sein kann. Erholsamkeit und Besinnliches bleiben dabei manchmal auf der Strecke.

    Ich bin auch in einem Haus mit meinen Großeltern aufgewachsen. Mami, Papi, meine Schwester und ich oben und Oma und Opa unten und ich kann mich auch noch an die Weihnachtsbäckerei meiner Omi erinnern und die Kekse aus dem Fleischwolf. Was waren die lecker.

    Und die Feier in der Joggingbuckse hat mir wirklich gefallen. Echt prima.

    Bei uns gibt es Heiligabend immer schlesische Bratwurst mit Kartoffelsalat. Dieses Jahr das erste mal nicht, da wir eingeladen waren und es dort Raclette gab. War schon ein bisschen merkwürdig, wo es doch immer so war. Aber wie du sagst, die Zeiten ändern sich.

    Vor Weihnachten bin ich aber auch nicht davor gefeit, melancholisch und rührselig zu werden und so denke ich gerade da oft an die Kindheit zurück und wie es damals war. Das wir Kinder lange auf heißersehnte Geschenke warten mussten und uns auch über Kleinigkeiten gefreut haben. Es war schon schön damals. Aber es ist auch schön heute, denn die Weihnachtstage mit meinem Mann möchte ich nicht missen. Eigentlich wäre es perfekt wie damals, nur halt mit mehr Leuten heute, denn es sind ja einige neue liebe Menschen dazu gekommen.

    Und weißt du was? Ihr wart in Braunschweig bei Thorstens Papa? Ich wohne nur 25 Km von Braunschweig entfernt und du warst nicht hier? Ach so, das lag daran, dass das vor dem Buchwichteln 2012 war. Gut, die Ausrede zählt. Aber nächstes mal, ein paar Ausfahrten vor Braunschweig abfahren und fast seid ihr bei uns.

    Alles Liebe von Peggy

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