Welttag des Buches 2014 – mal kritisch betrachtet

Auch in diesem Jahr wird es wieder die Aktion Bloggern schenken Lesefreude am 23.04.2014 geben.

Letztes Jahr war diese sehr erfolgreich, wobei, war sie das wirklich?

Natürlich gab es sehr sehr viele Blogger die dort mit gemacht haben, ich auch, und es sind auch haufenweise Bücher verlost worden. Aber ist das eigentlich Ziel, NICHTLESENDE Mensche an Bücher heran zu führen wirklich erreicht worden? Ich behaupte jetzt mal ganz dreist NEIN, denn alle die dort mit gemacht haben waren eh schon Bücherwürmer, hatten sogar einen Bücherblogg und sind so munter von Blogg zu Blogg gehüpft und haben Kommentare bei den Beiträgen hinterlassen für desen Buch“gewinn“ sie sich interessierten. So ist für mich das Ziel eindeutig nicht erreicht und genau aus dem Grund habe ich für mich entschieden nicht mehr an dieser Aktion teil zu nehmen.

Auch die Stiftung Lesen ist dieses Jahr wieder mit dabei, wo sie letztes Jahr, aus was für Gründen auch immer, keinen Bücher zur Verfühgung stellen konnte. In 2012 war auch ich dabei, durfte mein randvoll gepacktes Paket in meiner kleinen Buchhandlung vor Ort (die es nun leider auch schon nicht mehr gibt) abholen und fleißig Bücher verteilen. Ich habe Bücher im KiGa ausgelegt, hatte immer ein Buch im Auto und in der Tasche und hab sie einfach wildfremden Menschen in die Hand gedrückt. Aber auch hier gab es schon einen faden Beigeschmack, im KiGa haben sich die Bücher auch wieder nur die weg genommen die eh schon lesen, den Menschen denen ich das in die Hand gedrückt habe schauten mich seltsam an, später wurde unter den Buchverteilern auf Facebook die Bücher getauscht damit sich jeder seine Sammlung davon aufbauen konnte und ganz markaber wurden die Bücher bei ebay versteigert. Aktuell „besitze“ ich immer noch 3 Exemplare, die in „meiner“ Bücherei liegen und keiner will sie haben.

Ebenfalls gibt es für Bücherein eine Aktion schon die Jüngsten von uns ans lesen bekommen, diese nennt sich Lesestart. Auch hier mache ich mit der Bücherei nicht mit, denn Menschen die in eine Bücherei kommen lesen bereits.

Jetzt denkt ihr wahrscheinlich, kann die eigentlich nur über diese Aktionen meckern??? Irgendwie ja. Versteht mich nicht falsch, die Grundidee dieser Aktionen finde ich wirklich, wirklich toll. Die Umsetzung läuft auch immer reibungslos, daran hab ich wirklich nix zu meckern. ABER, und das ist für mich wirklich groß, ist für mich das der Sinn einfach verfehlt wird. Die Bücher erreichen eindeutig nicht die für die es gedacht ist, nämlich die die ans lesen und die Bücher ran geführt werden sollen.

Ein gutes Beispiel ist da auch die kleine Bücherrei die ich hier im Dorf leite. Wir haben renoviert, haben einen Bücherbasar organisiert, haben eine große Wiedereröffnung gestartet. Seit Monaten warte ich auf den KiGa, das dieser mit den Vorschulkindern vorbei kommt um einen Lesetag zu machen samt Leseführerschein. Das alles reicht nicht. Wir konnten keine neuen Leser gewinnen. Haben Diskussionen darüber geführt das wir uns an die Kinder halten müssen und ich habe mir den Mund fusselig geredet, das wenn die Eltern sich nicht dafür interesieren es schwer sein wird sie über ihre Kinder von Gegenteil zu überzeugen. Jetzt bin ich ja nicht nur die Leiterin sonder ja auch KiGa-Mama. Habe genug bekannte Muttis die ich versucht habe ins Boot zu holen über ihre Kinder und es ist mir nicht gelungen. Meine Konsequenz ist das ich zum Sommer mein Ehrenamt in der Bücherei nieder lege und wahrscheinlich auch die Bücherei wieder geschlossen wird.

Alle 3-4 Monate gibt es eine Bücheraustellung im KiGa und was soll ich sagen, es bestellen immer nur die selbern Eltern, nämlich die die eh schon viel selber und mit ihren Kindern lesen. Und sind wir mal ehrlich, würde ich nicht so viel lesen und meine Monster mich mit Buch oder Kindle in der Hand sehen und ihnen Abends ihre Gute-Nacht-Geschichte vorlesen, wären sie auch nicht so an Büchern interessiert.

Jetzt bin ich ein bisschen abgeschweift, aber ich denke was ich damit sagen wollte ist klar, NICHTLESENDE Menschen ans Buch zu kriegen ist nicht so einfach wie sich die Aktionsstarter das vorstellen und wünschen. Allerdings wünsche auch ich mir, das alle 3!!! Aktion diese Jahr doch erfolgreicher sind als ich das jetzt hier schwarz male.

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10 Kommentare zu “Welttag des Buches 2014 – mal kritisch betrachtet

  1. ich glaube ich verstehe dein „meckern“. klar sind als erstes die begeisterten leser dabei um ein neues buch abszustauben, ich gestehe, ich bin da nicht anders gestrickt und habe so im letzten oder war es sogar das vorletzte jahr, ein buch abgestaubt.
    aber ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut, weil es ohne ankündigung kam.
    ich denke mal es ist wirklich arg schwierig menschen an bücher zu bringen, wenn sie kein interesse daran haben. meine jungs sind da leider auch so richtige lesemuffel, obwohl sie mich ständig mit einem buch sehen. aber die beiden kann ich nur ganz arg schwer begeisern, selbst wenn ich gezielt frage ob sie an einem bestimmten buch interesse hätten.
    so ist es auch zum teil in meinem umfeld, da gibt es richtige leseratten und auch lesemuffel, aber da ich mich bei der aktion angemeldet habe, hoffe ich das ich die lesemuffel mit einem guten buch vielleicht doch noch dazu bekomme hin und wieder mal zu lesen.
    versuchen möchte ich es auf jeden fall, auch wenn ich weiß das ein oder auch mehr bücher an lesebegeisterte wandern werden. bei ebay oder sonst wo wird es von mir kein buch geben! das gehört sich nicht!

  2. Hey Jenny,

    ich weiß genau, was du meinst. Ich hatte schon lange vorher beschlossen dieses Jahr nicht mitzumachen, weder als Blog zum Verschenken der Bücher noch als Leser zum Gewinnen der Bücher. Ich war jetztes Jahr so überfordert mit den ganzen Gewinnspielen, dass ich irgendwann den Überblick verloren hatte. Der Artikel letztes Jahr war zwar der bestbesuchteste, aber gebracht hatte es nicht viel.

    Ich hab zwar noch keine Kinder, aber ich bin Tante und auch ich lese den Kinder immer etwas vor, wenn ich mal bei denen zu Besuch bin oder sie zu mir kommen. Auch verschenke ich viele Bücher an meine Nichten und Neffen. Eine Gute Nacht Geschichte finde ich sehr wichtig, aber ich weiß nicht, ob das jetzt daran liegt, dass ich selber sehr viel lese oder weil ich es damals nicht bekommen habe. Aus meiner Familie zum Beispiel lesen nicht viele Leute. Vor allem nicht so in den Massen wie ich. Wie ich letztendlich dazu gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr.

    Schade, dass das alles immer so untergeht und man die Leute nicht mehr erreicht.

    Schöner Artikel.

    Lg Mel

    • Danke schön.

      Ich denke das hat so wohl mit dem vorleben zu tun als auch das eigene Interesse dafür zu entwickeln.

      Wie bei Tina schon geschrieben, hab ich keine Ahnung ob meine Jungs nicht auch irgendwann die Nase voll haben davon. Aber ich denke i.M ist es einfach ein guter Anfang und sei es nur dafür sie auf die Schule vor zu bereiten und nicht ganz „dumm“ ins kalte Wasser zu schupsen.

      Bei mir war der Artikel auch der best besuchtste, aber mehr Leser hab ich danach nicht gehabt, was mich auch nicht wirklich stört, da ich ja eh nicht regelmäßig sondern eher nach Lust und Laune poste. Aber schlimm fand ich daran das sich auch eben Trolle darunter befanden, die sich mit mehreren E-Mails regestriert hatten und beinahe bei mir auch noch gewonnen hätten. Da war ich echt sauer.

      Beobachten werde ich das ganze trotzdem ein bisschen, aber eben nicht mit machen.

      • Mit den Trollen zum Weltrag des Buches hatte ich Glück. Die kamen erst bei einer anderen Aktion. 😉

        Ich finde es immer schade, wenn man sich solche Mühe gibt und dann wird einfach betrogen. Das ist schon etwas gemeint und nervig.

        Drück dich!

        Lg Mel

  3. Auch ich kann dein Meckern sehr gut verstehen. Genau aus diesen Gründen mache ich bei der Aktion auch nicht mit. Ich hätte die Bücher eher unter Freunden und Familie verteilt und die lesen eigentlich alle schon weitgehend viel (hängt halt u.a. damit zusammen, dass ich einen buch/medienaffinen Studiengang belegt habe). Genauso fragwürdig finde ich die Aktion „Vorsicht Buch“, die – soweit ich es richtig in Erinnerung habe – letztes Jahr während der Buchmesse (in Leipzig) in Aktion gerufen wurde. Auch hier ist die Wirkung meiner Meinung nach verfehlt. Es sollten nämlich eher Nichtleser motiviert werden. Mein Freund (nicht in der Buchbranche tätig) hat von der Aktion erst was mitgekriegt, nachdem ich es erwähnt habe. Und warum? Weil diese „Vorsicht Buch!“-Kampagne IN den Buchhandlungen läuft. Auch hier wieder das Problem: Da gehen nur Leute rein, die eh schon irgendwie lesen. Genauso die Buchmesse, da gehen buchaffine Menschen hin, Nichtleser eher weniger. Dass ich mal ein Plakat von der Aktion an der Bushaltestelle gesehen habe, war eher die Ausnahme (zumindest soweit ich das gesehen habe). Finde ich alles sehr schade, da ich an sich die Ideen und Aussagen der „Vorsicht Buch!“-Kampagne ganz gut finde.
    Ich wurde auch durch meine Eltern ans Lesen rangeführt, unser ganzes Haus steht voller Bücher. Mein Freund dagegen hat es von seinen Eltern nicht mitbekommen. Er kommt erst jetzt (mit 30 Jahren) ans Lesen heran, weil ich sehr viel lese und inzwischen ziemlich sicher sagen kann, was er mögen wird und was nicht (Tribute von Panem, Die Bestimmung, Trix Solier, Bartimäus). Es hängt zum Teil auch vom Umfeld ab und zum Teil glaube ich, dass die Lesemuffel einfach noch nicht das richtige Buch gefunden haben. Das beste Beispiel ist wie gesagt mein Freund.
    lg
    Vanessa

    • Männer tun sich da glaub ich eh immer schwerer mit dem lesen, außer es ist die Tages- oder Fachzeitschrift.
      Mein Mann hat auch mal kurz gelesen, waren aber „nur“ Star Wars Bücher, also erweiterte Geschichten rund um die Filme. Aktuelle liest er nicht, er guckt eben lieber Filme.

      Genau das ist es ja was ich so Schade finde, die Gedanken und Ideen dahinter sind toll, treffen aber eh nur auf Buchbegeisterte.

      Wie hat jemand bei Facebook geschrieben: „Wenn man neue Leute für ein wichtiges Thema interessieren möchte, muss man sich an die Orte begeben, an denen diese Leute sich aufhalten und darf sich nicht immer nur unter ohnehin schon Gleichgesinnten bewegen“
      und da kann ich ihr nur voll und ganz zustimmen.

  4. Du sprichst mir aus dem Herzen. Genau deshalb mache ich dieses Jahr auch nicht mehr mit, weil ich die Idee Nichtleser fürs Lesen zu begeistern als verfehlt ansehe.

    Der Ansatz mit dem Leseführerschein, den du erwähnt hast, um schon die kleinsten an Bücher heranzuführen finde ich klasse. Wenn das aber noch nicht einmal vom KiGa unterstützt wird, ist das einfach nur traurig.

    Ich denke aber auch zum Teil wird man als Leser oder Nichtleser geboren. Ich komme aus einer Familie von Nichtlesern und bin somit (zusammen mit meiner Nichte) die einzige Bücherratte in meiner Familie. Was ich damit sagen will: Die Bücher haben mich auch so gefunden, ohne dass ich von Zuhause dafür Unterstützung erfahren habe.

    Also besteht die Hoffnung, das jeder Bücherwurm irgendwann seine wahre Identität erkennt. 🙂

    P.S. Ich wusste gar nicht, dass du ehrenamtlich eure Bücherei leitest. Du überrascht mich immer wieder. 🙂

    • Fraglich ist ob ein Leseführerschein was an der Situation in der Bücherei ändern würde. Und ob man wirklich Leser dazu gewinnt.
      Auf der einen Seite macht es viel das Vorbild auf der anderen Seite aber auch, wie bei Dir, das eigene Interesse daran.
      In meiner Familie wurde eigentlich viel gelesen, sei es die Tageszeitung bei meinem Opa, die Fachzeitung bei meinem Onkel, der Schnulzenroman alla Baccara bei meiner Mama oder mir Abends ganz viele Geschichten. Zum Teil wurden mir sogar Kinderlieder vorgelesen zum einschlafen.
      Natürlich gab es bei mir auch Zeiten in denen ich ein Buch nur schulbedingt angeguckt habe, aber es hat mich immer wieder zu den Büchern hin gezogen. Und ich lass es jetzt einfach mal offen stehen ob das an meiner Kindheit oder an meinen eigenem Interesse so passiert ist.
      Mein Interesse für alles was mit Autos zu tun hat, behaupte ich jetzt einfach mal, ist auch da, weil ich als kleines Mädchen schon mit Opa in der Grube unten den Autos gehangen habe 😉

      Ich überrasch dich? Kaum zu glauben 😀
      Doch die Leitung habe ich schon seit Herbst 2012.

  5. Ich denke man kann Lesebegeisterung nicht steuern oder manipulieren. Man kann ja auch nicht steuern ob jemand Mathe liebt oder handwerklich begabt ist. Meine Kids haben alle denselben Kindergarten und dieselbe Grundschule besucht und Gute-Nacht-Geschichten gab es auch für jeden – meine Töchter lesen mit Begeisterung, mein Sohn ist eher der typische „Gibts das auch als Film?“-Typ. Dafür konnte er mir mit 6 Jahren erklären wie ein Motor funktioniert 🙂
    Ich mag diese Buch-Aktionen auch nicht, weil ich denke so kommt man nicht zum Ziel – zumal gerade die Buchblogger sich halt gerne untereinander beschenken, was ich ziemlich blöd finde.

    LG

    Tina

    • Na super, jetzt hatte ich dir schon drauf geantwortet und nu is et wech. Mal gucken ob ich das noch mal so hin kriege.

      Ich geb dir Recht, Begabungen und Interessen lassen sich nicht wirklich steuern, jeder entwickelt sich da in seine Richtung. Aber jetzt wo sie noch so klein sind, kann ich zumindest als gutes Beispiel voran gehen. Bin mir aber auch bewußt das sich das ändern kann und auch bestimmt wird. Schon heute ist mein Großer so neugierig, will wissen wie ich das Auto „bediene“, was passiert wenn ich auf die Hupe drücke und warum es dann hupt, aber auch Bücher findet er noch toll. Vielleicht gehen sie auch bald in den Papa-Modus (ähnlich wie dein Sohn) „Gibts das auch als Film“ oder auch gerne „Warum soll ich lesen wenn ich das auch gucken kann“ 😀

      Ansich finde ich Aktionen ja gut, schlimmer finde ich die Geier und die schwarzen Schafe, die dann versuchen auch das letzte Buch ab zu greifen, egal ob sie das überhaupt im Leben lesen werden oder ihr Genre ist, hauptsache sie haben es.

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